Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)

Privatsphäre-Einstellung

Wir verwenden auf dieser Website Cookies, die für den Betrieb der Website notwendig sind und deshalb auch nicht abgewählt werden können. Wenn Sie wissen möchten, welche Cookies das sind, finden Sie diese einzeln im Datenschutz aufgelistet. Unsere Webseite nutzt weiterhin externe Komponenten (u.a. YouTube-Videos, Google Analytics, Google Map), die ebenfalls Cookies setzen. Durch das Laden externer Komponenten können Daten über Ihr Verhalten von Dritten gesammelt werden, weshalb wir Ihre Zustimmung benötigen. Ohne Ihre Erlaubnis kann es zu Einschränkungen bei Inhalt und Bedienung kommen. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der „Bundes-Klinik-Atlas“ ist irreführend!

23. Mai 2024

Als Ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf gGmbH möchte ich mich ausdrücklich gegen die verzerrte Darstellung unserer Klinik durch den in der letzten Woche online gegangenen Bundes-Klinik-Atlas verwehren.

Prof. Dr. Jens D. Rollnik im Gespräch mit Dipl.-Kfm. (FH) Michael Hengstermann und  Dr. Simon Hendrich

Wenn Sie ganz allgemein nach unserer Klinik suchen, wird irreführenderweise eine niedrige Fallzahl („sehr wenige Fälle“) ausgewiesen. Erst wenn Sie explizit nach „Frührehabilitation“ suchen, geht der Zeiger nach ganz rechts, weil wir als eine auf Frührehabilitation und neurologische Erkrankungen spezialisierte Fachklinik überwiegend Frührehabilitanden bei uns behandeln. Um es deutlich zu sagen: Als hoch spezialisierte Fachklinik haben wir eine bundesweit anerkannte Expertise, eben weil wir eine der größten neurologischen Fachkliniken sind und viele dieser Fälle behandeln.

Und dann steht den angeblich „sehr wenigen“ Fällen auch noch ein „unterdurchschnittlicher“ Pflegepersonalquotient gegenüber, da wird es für den Laien (aber auch für uns) gänzlich unverständlich – es entsteht der Eindruck einer Klinik, die kaum Erfahrung hat, und dann noch beim Pflegepersonal spart!
Realität ist, dass wir – wie die meisten Kliniken – viele Krankenhausbetten wegen massiver Krankheitsausfälle beim Pflegepersonal gar nicht belegen (können). Nur so halten wir die Pflegeuntergrenzen und andere Personalvorgaben ein. Solche Maßnahmen zur Entlastung des vorhandenen Pflegepersonals haben aber keinen Einfluss auf die Angaben im Klinik-Atlas. Ich weise zudem darauf hin, dass es seit der Einführung des Pflegebudgets ohnehin keinen Grund mehr gibt, am Pflegepersonal zu „sparen“ (was wir als gemeinnützige Klinik auch vor der Einführung nicht getan haben). Auch wenn unsere Stellen fast alle besetzt sind - wir beschäftigen pro belegtem Krankenhausbett im Mittel etwa zwei Pflegekräfte - würden wir trotzdem gerne noch mehr Personal einstellen, das es bekanntermaßen auf dem Arbeitsmarkt aber gar nicht gibt.

Was hat es mit dem „Pflegepersonalquotienten“ auf sich? Dieser berücksichtigt u. a. die Fallschwere. Wir nehmen sehr schwer betroffene neurologische Patienten auf, zudem viele Menschen, die noch intensivmedizinisch behandelt und beatmet werden. Natürlich ergibt sich dadurch im Klinikvergleich ein hoher sog. „Casemix“, der den Pflegepersonalquotienten zu unseren Ungunsten verzerrt. Wir sind aber nicht mit einem Allgemeinkrankenhaus vergleichbar, das z. B. kaum therapeutische Mitarbeiter beschäftigt. In unserer Klinik arbeiten aber noch weit über 100 Therapeutinnen und Therapeuten, die die Pflegenden unterstützen. Diese Hintergründe sind für Laien kaum nachvollziehbar, so dass der Quotient schlicht irreführend ist!

Wir kritisieren, dass das Bundesgesundheitsministerium mit der „heißen Nadel“ einen Klinik-Atlas „gestrickt“ und online gestellt hat, der überhaupt noch nicht ausgewogen ist, der für uns als Fachklinik irreführende, nicht valide Ergebnisse anzeigt, und auf den die Leistungserbringer überhaupt keinen Einfluss hatten. Es gehört sich in einem auf Augenhöhe und Partnerschaftlichkeit ausgelegten Gesundheitswesen, dass Leistungserbringer zumindest einmal darüber informiert werden, wie sie in dem Klinik-Atlas dargestellt werden, denn der kann - und soll - erhebliche Auswirkungen auf die Auswahlentscheidung von Laien haben. Auf ganz massive Verzerrungen sollte man als Klinik auch reagieren und korrigierend einwirken können. Diese Möglichkeit wurde uns nicht eingeräumt.

Die BDH-Klinik Hessisch Oldendorf gGmbH verfügt über verschiedene Zertifizierungen (KTQ, EQR, zertifizierte Stroke Unit, zertifiziertes Weaning-Zentrum), die die anerkannte Qualität unserer Klinik widerspiegeln. Zwei grob zusammen geschusterte Kennzahlen wie Fallzahl und Pflegepersonalquotient und der Vergleich mit Allgemeinkrankenhäusern tun dies nicht! Herr Lauterbach hätte gut daran getan, den Klinik-Atlas gründlicher zu prüfen, und erst dann online zu stellen, wenn er einen validen Vergleich wirklich zulässt!